Häufige Fragen

Magie und Hexenkunst

Was versteht man unter dem Wort Magie?

Es gibt verschiedene Definitionen von Magie unter modernen Praktikern. Crowley definierte Magie als „die Kunst und Wissenschaft, die Welt in Übereinstimmung mit dem Willen zu formen“. In konventionelleren Duden findet man auch Erklärungen wie „die Kunst und Lehre, wie man Menschen und Dinge durch übernatürliche Kräfte beeinflussen kann“. Für uns gibt es nichts, was übernatürlich ist, also außerhalb der Natur steht. Wir sehen Magie als die Fähigkeit, durch Veränderungen im Bewusstsein Veränderungen in der Welt zu bewirken.

Hexe/Wicca

Was macht eine Hexe aus?

Janet Farrar sagte einmal eine Hexe macht vor Allem eines aus – ein Sinn für das Wunderbare. Wenn du in der Lage bist, einen Zauber in der Welt wahrzunehmen und dich als Teil der gesamten Schöpfung zu empfinden; wenn du das Göttliche in der Natur und in der Welt sehen kannst; wenn dich das Mystische und Geheimnisvolle anzieht; wenn du Botschaften im Flug der Herbstblätter erkennst oder mit den Fluß redest – dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du das Potential zur Hexe hast.

Darf ich mich erst Wicca nennen, wenn ich initiiert bin?

Wicca/wicce ist nichts anderes als die alte angelsächsische Schreibweise von witch, also Hexe – die Aussprache Wikka ist schlichtweg falsch. Das Wort existierte lange bevorGardners Hexenkunst Wicca genannt wurde auch in der deutschen Sprache als Wickersche. Tolkien hatte ursprünglich vor, seine Zauberer im Herrn der Ringe Wicca zu nennen. Wir sehen also keinen Grund warum eine Hexe sich nicht Wicca nennen dürfte.

Allerdings wird in Hexenkreisen unter Wicca in der Regel ein Mitglied einer auf Gardner basierenden initiatorischen Tradition verstanden. Aus diesem Grund allein raten wir davon ab, sich als freifliegende Hexe Wicca zu nennen.

Wir selbst benutzen oft den Begriff initiatorische Hexenkunst, wenn wir von Gardnerischem und Alexandrischem Wicca reden. In Deutschland ist auch der Begriff British Traditional Wicca (BTW) gebräuchlich. Da wir selbst direkt aus einer englisch-niederländischen Linie stammen und der Begriff in beiden Ländern nicht üblich ist, benutzen auch wir ihn nicht.

Ist man nur eine richtige Wicca, wenn man von einem Coven initiiert wurde?

Zunächst einmal, was heißt „richtig“? Die Erfahrung in einem traditionellen Coven ist eine andere als die, die man auf dem Soloweg oder in einer freien Gruppe erfährt. Das macht sie nicht zwangsweise besser. Der Vorteil eines Covens ist es, dass man Zugriff auf die Erfahrungen einer etablierten Tradition hat und sich an bereits erprobten Ritualen und Gepflogenheiten orientieren kann. Das kann dem Lernenden helfen, sich schneller und sicherer zu entwickeln. Ein Coven bzw. eine Tradition kann zudem eine Familie sein.

Eine solche Gruppenanbindung ist allerdings nicht jedermanns Sache. Manche experimentieren lieber auf eigene Faust. Auch das ist in Ordnung, beinhaltet aber wieder andere Risiken, da keine Form von Supervision stattfindet. Im Übrigen glauben wir, dass das Arbeiten in einer Gruppe ein oder zweimal im Monat nicht den eigenen, persönlichen spirituellen Weg ersetzt.

Welchen Stellenwert hat eine Selbstinitiation?

Das Wort Selbstinitiation wirft weitere Fragen auf. Eine Selbstinitiation wo hinein? Logischerweise kann man sich nicht selbst in die Gardnerische Tradition initiieren, da einem als Außenstehender der Zugang zu den Riten und dem Wissen der Tradition fehlt. Wenn man also solo praktiziert, existiert in der Regel keine Gruppe, in die man sich initiieren könnte – vielleicht noch in die große Gemeinschaft aller Hexen auf einer sehr metaphorischen, abstrakten Ebene.

Den Kontakt zu den Alten Göttern herzustellen ist aber kein Exklusivrecht der traditionellen Linien. Viele haben sich vor ihrer Initiation ins traditionelle Wicca selbst als Hexe initiiert und daraus eine große Bereicherung gezogen. Wir würden diesen Akt aber eher Dedikation oder Selbstweihe nennen.

Woran erkenne ich andere Hexen?

Eine Hexe ist nicht unbedingt an äußeren Merkmalen zu erkennen, und war es wahrscheinlich auch nie. Nicht alle mögen es, ihre Spiritualität mit einem auffälligen Pentagramm um den Hals oder einem schwarzen Pannesamtkleid nach außen zu präsentieren. Gerade die traditionellen Hexen sind oft zurückhaltender und äußerlich nicht von anderen Menschen zu unterscheiden, da ihr Weg diskreter ist und im Geheimen stattfindet.

Wenn man andere Hexen kennen lernen möchte, geht das am besten über einschlägige Webseiten, Facebook oder vielleicht den örtlichen Esoterikladen.

Traditionen

Wo ist der Unterschied zwischen Alexandrischem und Gardnerischem Wicca?

Das Alexandrische Wicca hat sich durch Alex Sanders aus dem älteren Gardnerischen Wicca heraus entwickelt. Ursprünglich war das Gardnerische Wicca eher intuitiv, erdbezogen und auf einfache Volksmagie ausgerichtet, Alex Sanders hat  verstärkt Zeremonialmagie und Kabbalah hineingebracht. Alexandrische Hexen bedienen sich auch christlicher Vorstellungen wie Engeln, wogegen das bei Gardnerischen meines Wissens nicht vorkommt. Alexandrische Hexen hüllen sich für ihre Rituale gern in auffällige Roben, wogegen Gardnerianer fast immer skyclad – also nackt – praktizieren.

Heute durchmischen sich die Vorlieben aber immer mehr und man kann nicht mehr unbedingt vom Stil eines Covens auf die Tradition schließen. Entscheidender als die Tradition ist für viele Suchende letztendlich die individuelle Gruppe.

Der Erntemond-Coven legt seinen Fokus stark auf die urspünglichen Elemente der Eleanor-Bone-Linie: Naturbezug, Volksmagie und den direkten Kontakt zu den Göttern und lokalen Geistwesen.

Der Coven

Wie finde ich einen Coven? Was sollte ich beachten?

Einen traditionellen Coven zu finden ist nach wie vor nicht einfach, wenn auch um einiges leichter als noch vor Jahrzehnten. Zudem ist die Zahl der Plätze in der Regel sehr beschränkt, da Covens in der Regel kleine familiäre Gruppen sind.

Der Erntemond-Coven hat hin und wieder Kapazitäten für neue Mitglieder. Wir helfen aber auch gern, Suchende an andere Gruppen zu vermitteln. Wer die passende Gruppe finden will, muss unter Umständen bereit sein, eine längere Anreise in Kauf nehmen. Für viele Gruppen kann das eine Prüfung sein, um zu sehen, ob der Kandidat es wirklich ernst meint.

Natürlich gibt es auch im traditionellen Wicca schwarze Schafe. Wir glauben, dass wir einen recht guten Überblick über den Stand der Dinge haben und sind an ein gut funktionierendes internes Informationsnetz angeschlossen. Man kann sich also gern vertrauensvoll an uns wenden, falls diesbezüglich Fragen auftauchen.

Geheimhaltung

Warum ist Wicca eine Geheimtradition?

Wir würden Wicca eher als eine private Tradition bezeichnen. Die Dinge, die wir in unseren Ritualen und unserer Magie erfahren sind sehr persönlich. Und wie im normalen Leben, teilen wir persönliche, intime Dinge eher mit engen Freunden oder Familie, als mit Fremden oder der Öffentlichkeit. Die Geheimhaltung hat auch einen psychologischen Nutzen: der Effekt des Mystischen auf die Psyche ist Teil des Prozesses, der den neuen Kandidaten für das Numinose öffnet.

Vielleicht kommt ein Teil unserer geheimnisvollen Aura auch daher, dass wir nicht aktiv nach Mitgliedern suchen. Ganz im Gegenteil: wir glauben, dass nur wenige für die Kunst geeignet sind und sind dementsprechend wählerisch bei der Auswahl von Kandidaten. Das soll dich aber nicht abschrecken. Wenn dein Interesse an Wicca aufrichtig und dein Wunsch zu wachsen stark ist, und du die Arbeit an dir selbst nicht scheust, werden wir dir gern helfen, wo wir können.

Rituelle Nacktheit

Ich habe gehört, dass man bei den Ritualen nackt sein muss. Stimmt das?

Gardnerianer sind bei ihren Ritual oft nackt (oder skyclad – „im Himmelsgewand“). Es gibt Gruppen, die jedes Ritual so zelebrieren. Wir sind da etwas pragmatischer und nehmen es in der warmen Jahreshälfte in Kauf, angezogen zu feiern, wenn wir dafür draußen sein können. Die rituelle Nackheit ist daher eher eine Vorliebe, kein Zwang.

Es ist übrigens nicht so, dass Gardnerianer alle bei ihrem ersten Skyclad-Ritual völlig frei von Scham oder Unbehagen waren. Die meisten finden diesen Schritt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Aber es ist eben auch ganz bewusst eine Schwelle, die man überschreitet, wenn man dem Kreis beitritt. Wer regelmäßig in die Sauna geht, weiß, dass es schon nach kurzer Zeit gar kein so sensationelles Thema mehr ist. In der Regel hat man im Kreis ohnehin besseres zu tun, als sich gegenseitig auf den Hintern zu starren.

Warum nackt? Man kann doch auch anders praktizieren.

Sicher kann man das. Dies ist nur die Art, wie wir es machen. Die rituelle Nacktheit hat nichts mit Sex zu tun und es geht auch nicht darum, eine „vorzeigbare“ Figur haben zu müssen. Ganz im Gegenteil – es geht darum, so vor die Alten Götter und seine Covenbrüder und -schwestern zu treten, wie man erschaffen wurde – nackt und unschuldig, perfekt, trotz Schwangerschaftsstreifen, Bauch, kleinem Penis oder Hängebrüsten. All das sind Oberflächlichkeiten. Geborgenheit und Akzeptanz in einem Kreis von ebenfalls nackten und nicht perfekt aussehenden Mensch zu finden, kann eine ungemein heilsame Erfahrung sein.

Früher sind Hexen davon ausgegangen, dass die Energie zum Magie Wirken nur dann frei fließen kann, wenn die Beteiligten keine hinderliche Kleidung tragen. Das denken heute nur noch wenige, denn es ist leicht offensichtlich, dass auch in Kleidung gewirkte Magie funktioniert. Dennoch spricht Einiges dafür, dass die Nacktheit symbolisch wie auch physisch – möglicherweise auch durch freigesetzte Pheromone – die Gruppenbindung untereinander verstärkt.

Initiation

Was ist eine Initiation? Wozu ist sie gut? Was passiert bei der Initiation?

Wie die christliche Taufe wird auch die Initiation als eine Art Wiedergeburt in eine neue Identität gesehen. Mit dem Initiationsritual tritt der Kandidat in eine Gruppe und damit in eine bestehende Tradition ein. Er wird als neues Mitglied begrüßt und darf sich fortan als Hexe und PriesterIn dieser Tradition bezeichnen.

Die Initiation soll aber auch eine Erweiterung der Wahrnehmung auslösen, was neues Wachstum ermöglicht und den Initianden für neue Verbindungen öffnet. Unserer Erfahrung nach findet diese innere, mystische Initiation häufig bereits während der Lernphase vor der formellen Initiation statt. Ein gutes Zeichen dafür, dass ein Schüler bereit für die Initiation ist, ist ein deutlich sichtbarer Schritt zu größerer Reife und Gelassenheit während seines Trainings. Dieser wird bei jedem Kandidaten anders aussehen, da jeder Mensch mit anderen Herausforderungen zu uns kommt.

Häufig gerät der Kandidat im Laufe der Hexenausbildung in eine Lebenskrise. Das ist nichts Schlechtes, denn es hat den Sinn, die bisher aufgebaute „falsche“ Persönlichkeit, die die Gesellschaft uns abverlangt hat, aufzulösen. Der Kandidat ist dann für die Initiation bereit, wenn er sich selbst wieder zu einem authentischeren Ausdruck seiner Selbst zusammengesetzt hat. Dieser Prozess ist natürlich nicht ganz leicht und kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen.