Was Wicca nicht ist

Man sollte eine Sache grundsätzlich nicht durch das definieren, was sie nicht ist. Trotzdem möchten wir kurz mit ein paar Vorurteilen aufräumen, euch gewisse Sorgen gleich von vornherein nehmen und hier und da auch eine Warnung aussprechen.

Wir verehren nicht den Teufel

Wicca basiert auf vorchristlichen heidnischen Vorstellungen, in denen der Teufel oder Satan keine Rolle spielt. Ein absoluter Gut-Böse-Dualismus ist nicht mit unseren Lehren vereinbar. Gehörnte Gottheiten gab es lange vor dem Christentum, und keine von ihnen repräsentiert das Böse. Die Hörner stehen vielmehr – abgeleitet aus dem Tierreich – für Autorität und eine Verbindung zu den Tieren selbst.

Natürlich werden gewisse Christen immer behaupten, dass wir unwissentlich den Teufel anbeten. Aber diese glauben in der Regel auch, dass jede andere Religion oder Weltsicht außer ihrer eigenen Teufelswerk ist.

Das Pentagramm ist kein Symbol des Bösen

Ebensowenig ist das Pentagram, auch Drudenfuß genannt, ein Symbol des Bösen. Es wurde jahrtausendelang positiv genutzt, in der Regel als Zeichen des Schutzes. Es bezeichnet die fünf Elemente und den Menschen in seiner Gesamtheit (Stichwort: Vitruvianischer Mensch).

Insgesamt sollte man sich fragen, warum diese an sich positiven Symbole von der christlichen Kirche in etwas pervertiert wurden, wovor man Angst haben soll. Wissen hilft. Einer einfache Google-Suche sollte es jedem ermöglichen, Falschinformationen zu entlarven und zu einem umfassenderen Bild zu kommen.

Wicca-Rituale beinhalten keinen Sex

Sex und Körperlichkeit gelten im Wicca als heilig und sind in symbolischer Form wichtige Bestandteile unserer Rituale. Das bedeutet aber auch, dass ein bewusster und gesunder Umgang mit Sexualität für uns einen hohen Stellenwert hat. Das beinhaltet, dass Sexualität innerhalb eines angemessenen Rahmens stattfinden sollte, der in einem regulären Wicca-Ritual nicht gegeben ist. Ganz konkret heißt das: sexuelle Akte oder gar Orgien sind keine üblichen Bestandteile von Wicca (mit dem Vorbehalt, dass jede Gruppe autonom ist und selbstverständlich immer ihren freien Willen hat, zu tun und zu lassen, was sie will).

Eine Ausnahme bildet in manchen Gruppen der tatsächlich, d.h. körperlich durchgeführte Große Ritus, der aber eine private und freiwillige Angelegenheit von erfahrenen, verantwortungsbewussten Priestern ist und in der Regel unter Ausschluss des Covens stattfindet. In vielen Gruppen findet dieser Akt heute nur noch symbolisch statt.

Wesentlich für den Einsteiger ist:

Niemand sollte zu keiner Zeit und unter keinen Umständen gezwungen werden, sexuelle Handlungen durchzuführen! Zu einer traditionellen Erstgrad-Initiation in Wicca gehört weder Geschlechtsverkehr, noch irgendeine andere sexuelle Handlung!

Sollte eine Gruppe oder einer HohepriesterIn Derartiges von dir verlangen, nimm die Beine in die Hand. Das ist nicht traditionelles Wicca, sondern höchstwahrscheinlich eine missbräuchliche Gruppe bzw. ein Personenkult im Wicca-Gewand.

Falls du entsprechende Erfahrungen machen musstest, würden wir uns freuen, davon zu hören, um vor entsprechender Gruppierung oder Person in Zukunft warnen zu können.

Kläre in jedem Fall mit deiner potentiellen HohepriesterIn ab, was mit dem Beitritt in den Coven in dieser Hinsicht auf dich zu kommt. Jemand, der nicht bereit ist, dir gegenüber über dieses wichtige Thema konkrete Aussagen zu treffen, sollte mit großer Skepsis betrachtet werden.

Traditionelles Wicca kostet kein Geld

Traditionell wird in Wicca kein Geld für eine Ausbildung verlangt. Die Begleitung einer neuen Hexe ist für uns eine Herzensangelegenheit und eine Verpflichtung, die wir für uns angenommen haben. Die Tatsache, dass diese Person die Kunst weiter trägt, ist uns Lohn genug.

Natürlich ist es in Ordnung, für Workshops oder andere Dienste Geld zu nehmen, die eher sporadischer Natur sind und nicht die Tiefe und Veranttwortung eines Ausbildungsverhältnisses haben. In der Regel sind diese Angebote von traditionellen Wicca sehr erschwinglich und auf dem Niveau von Kostendeckung.

Wenn eine Hexe für Hexen-Dienstleistungen Preise verlangen, die sich eher auf Therapeuten-, Yoga- oder Esoterikszene-Niveau bewegen, ist das zwar nicht unmoralisch, aber es ist ein deutlicher Hinweis, dass diese Person kein traditionelles Wicca anbietet.

Natürlich gibt es traditionelle Wicca, die auch Therapeuten, Coaches o.ä. sind, und sich für diese Arbeit entsprechend entlohnen lassen. Diese Arbeit ist aber getrennt vom traditionellen Wicca zu sehen und sollte dementsprechend auch nicht unter diesem Etikett angeboten werden.

Wicca ist kein Glaube

Was uns immer wieder begegnet, ist die Vorstellung, dass Wicca eine Glaubensrichtung sei. Das ist verzeihlich, da Wicca durchaus als Religion bezeichnet werden kann. Nur ist es eben keine Glaubensreligion sondern eine Mysterienreligion, in der die persönliche, individuelle Erfahrung im Mittelpunkt steht.

Natürlich lässt sich das Diskutieren über Glaubensvorstellungen nicht vermeiden – in der Tat finden wir solche Diskussionen sehr bereichernd – und die persönliche Kompatibilität hat auch viel mit ähnlichen Vorstellungen von der Welt und den Göttern zu tun. Es sollte aber eben niemanden geben, der jemand anderem seinen Glauben oder seine Sichtweise aufzwingt. Sollte deine Hohepriesterschaft dies doch tun, würden wir das als Warnzeichen einstufen.

Wicca ist keine Tradition mit starren Regeln und Strukturen

Das ist etwas, das uns immer wieder von freifliegenden Hexen und anderen Menschen, die unsere Tradition nie von innen gesehen haben, vorgeworfen wird. Tatsache ist: Wicca besitzt keine zentrale Obrigkeit, die für eine so starre Befolgung von Regeln nötig wäre. Natürlich besitzt unsere Tradition wie jede andere organisierte Form von Spiritualität gewisse Kernpraktiken und Strukturen, sonst wäre sie als Tradition nicht erkennbar. Ein wesentlicher Bestandteil von traditionellem Wicca ist aber die Autonomie jedes einzelnen Covens und die dadurch entstehende organische Vielfalt. Wir würden es nicht anders haben wollen.